Lars Wondratschek

Yes, we can! Change is possible

Von den Widersprüchen des politisch-ökonomischen Weltsystems. 
Oder warum „Änderung“ (change) notwendig ist.
 

1 Eine multiple Krise

Das Gespür dafür, das „etwas nicht stimmt“, war bei großen Teilen der Bevölkerung in vielen Ländern der Welt seit langem nicht so intensiv wie heute. Zwei tiefe, radikale Krisenerscheinungen konvergieren und lösen eine dritte, die politisch betrachtet fundamentalste, aus. Es treffen, in zeitlicher Überlappung, eine nur langsam in ihren Ausmaßen und Auswirkungen erkannte ökologische Krise und eine in der politischen Ökonomie begründete Systemkrise zusammen, die inzwischen längst zur Krise der Demokratie geworden ist.(1) 

Untersuchungen zum Klimawandel, zur Versteppung, Entwaldung, Vergiftung, Erosion, und Auslaugung der Böden, zur Verschmutzung von Flüssen, Übersäuerung von Seen und Meeren,  zur teilweisen Zerstörung der Ozonschicht der Erdatmosphäre halten kaum Schritt mit den handgreiflich erlebten und sinnlich registrierten Konsequenzen der ökologischen Katastrophe, deren mittel- und langfristige Reversibilität völlig ungeklärt ist. Gleichzeitig erleben die Menschen heute eine Krise, die als Banken- und Finanzkrise unzureichend, weil nur partiell, beschrieben ist und die hautnah von den Bevölkerungen der Länder der Welt –  am bittersten übrigens, teils als Hungerkatastrophe, im „Süden“, aber dieses Mal auch stärker als je in den letzten 70 bis 80 Jahren im „Norden“ des Weltsystems –  in ihrer ganzen ungeheuren Destruktivität erlebt wird. 

Während in den meisten Ländern des „Südens“ der  Welt die weitestgehend auf ungleiche Wirtschaftsmacht der Akteure des „Nordens“ und des „Südens“ zurückführbaren Austauschbeziehungen, welche kritische Experten als échange inégal (ungleichen Austausch) bezeichnen, die Verschuldung bei Kreditgebern des „Nordens“ verschlimmern, die wirtschaftliche Entwicklung bremsen und  die Arbeitslosenquoten in absurde Höhen schnellen lassen, was derzeit in den Philippinen, Thailand, Indonesien, in Kolumbien, Haiti und Honduras, aber auch in Tunesien, Algerien, Ägypten, Libyen (um nur einige Länder zu nennen) die sozialen Konflikte dem Siedepunkt zutreibt und den Ruf der Massen nach Demokratie lauter werden lässt, spürt die übergroße Mehrheit der Bevölkerungen in den „reichen“ Ländern Europas und in den USA wie nie zuvor seit der Krise von 1929-39 die sich weiter beschleunigende Erosion der relativen Privilegiertheit subalterner Klassen in den Zentren des Kapitalismus.(2)

Die sogenannten Verteilungsspielräume, von denen  die etablierte Politik zu sprechen pflegte und welche in den Ländern des sogenannten reichen „Nordens“  - trotz gelegentlicher „Rezessionen“ – offensichtlich zwischen ca. 1948  und 1973 zunächst in zunehmendem Maße, dann in stagnierender Form existierten, sind nicht nur ganz offensichtlich inzwischen geschrumpft, sondern zum Teil auch bewusst zunichte gemacht worden.(3) Sie sind – darauf komme ich im folgenden noch detaillierter zurück -  spätestens seit 1989/90 in den westlichen „Industrieländern“, in denen wenige (in den USA unter 0,1% der Bevölkerung) über sehr große Vermögen verfügen und wo dennoch die Mehrheit zeitweise ihren „Lebensstandard“ in den keynesianisch bzw. sozialdemokratisch geprägten Jahren  erträglich fand, von der Kapitalseite nicht mehr gewollt.(4)

Diese Dynamik, die man seit Anfang der 90er Jahre beobachtet, stellt in gewisser Beziehung, vor allem, was den Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten in diesen „westlichen Industrieländern“ angeht,  allerdings nur eine krasse Steigerung oder Zuspitzung eines bereits in der zweiten Hälfte der 70er Jahre und in den 80er Jahren festzustellenden Trends dar. Es ist erwiesen, dass bereits in der Zeit ab etwa 1973 bis Anfang der 90er Jahre die Reallöhne der US-amerikanischen Industriearbeiterschaft um ca. ein Drittel zurückgingen. Es steht auch außer Frage, dass sich die Situation nicht für die Lohn- und Gehaltsabhängigen, sondern auch für viele kleine Selbständige und für kleine und mittlere Bauern, so für die Mehrheit der Farmer in den USA, in diesen Jahren verschlechterte und dass sie sich in den letzten beiden, offensiv neoliberal geprägten Jahrzehnten weiter verschärfte.(5) Die US-amerikanische Dynamik betrifft, meist leicht zeitversetzt, mit gewisser „Verspätung“, in ähnlicher Weise West-Europa. Wo vor allem die 1979 ins Amt gelangte Thatcher-Regierung mit ihren Privatisierungen öffentlichen Eigentums (beschleunigt nach der Wiederwahl 1983) und mit ihrer Attacke auf die britischen Gewerkschaften (besonders deutlich angesichts des Bergarbeiterstreiks 1984-85) sich als Vorreiter einer monetaristischen, neo-liberalen Politik erwies.(6) Und wo dann später auch die neo-liberale Wende von New Labor, der SPD unter Schröder und der Kurswechsel der schwedischen Sozialdemokraten weg vom alten „Sozialstaat“ weitere, deutliche Zeichen setzten.(7)

Die ideologischen Konflikte, welche heute die US-amerikanischen Medien beherrschen und die im oberflächlichen Denken weiter Teile der Bevölkerung einen Nachhall finden,  wobei die lancierten Diskurse offenbar dazu beitragen sollen, die Unzufriedenheit der breiten Mehrheit auf verschiedene Weise zu kanalisieren, sind zum Teil immer noch eine verspätete Antwort auf den Zerfall des ideologischen Modells, das – als diskursive Entsprechung der erreichten hohen Wachstumsraten, der keynesianischen Wirtschaftspolitik und des Sozialstaats –  die sogenannten „guten“  50er Jahre des „Korea-Booms“, vor allem aber die 60er und vielleicht noch frühen 70er Jahre beherrschte.(8) 

Die in jenen Jahren etablierte Variante der „Marktwirtschaft“, die sich realwirtschaftlich wie diskursiv manifestierte, war ganz offensichtlich ein Wachstumsmodell, das Spielräume auch für Reallohnzuwächse und für „Sozialpolitik“ bot und diversen Illusionen über ein „Ende der kapitalistischen Krisen“, eine fortwährende Verbesserung des Lebensstandards der Massen nicht nur in den USA, ein Ende des Hungers und der Armut auch im „Rest der Welt“ Nahrung gab. (9) Es nährte den Traum vom Aufstieg der Lohnarbeiter in die „Mittelklasse“.  Es ist verbreitete die falsche Hoffnung auf den  konsumeristischen „American way of life“ als unendlich fortsetzbaren Traum, als etwas, das vorgeblich für alle – zumindest aber für die „Fleißigen und Tüchtigen“, die „Erfolgsorientierten“ – als lebbarer Weg möglich sein sollte.(10)

Das alles ist Schnee von gestern. 
Wir haben es inzwischen längst mit einem schleichenden Prozess der Unterhöhlung des kapitalistischen Weltsystems auch in seinen historisch herausgebildeten Zentren zu tun.  Unverkennbar beobachten wir einen Prozess, der sich niederschlägt in der immer schnelleren Folge immer heftiger auftretender Krisen. 
 

2 Die Vorgeschichte der gegenwärtigen multiplen Krise

Wer die Vorgeschichte der gegenwärtigen multiplen, viele Aspekte umfassenden Krise verstehen will, sollte erklären können, warum es zum schrittweisen Ende des keynesianisch orchestrierten Modells eines regulierten Kapitalismus kam. Zum Auslaufen eines spezifischen kapitalistischen Modells mithin, das in der Tat eine ganze Reihe von Jahren scheinbar krisenfest, nur von vergleichsweise leichten Rezessionen geschwächt, geglänzt hatte mit längst nicht mehr in den Zentren des Kapitalismus, in den USA, Japan und Westeuropa erreichten (1.) hohen Wachstumsraten, (2.) einem Rezessionseffekte mildernden, selbst in den USA in Ansätzen (social security, medicare, medicaid, unemployment benefits, welfare) ausgebauten sozialstaatlichen „sozialen Netz“,  und (3.) einem relativ weit entwickelten System korporatistischer „Interessenaushandlung“ zwischen der Kapitalseite und den Gewerkschaften. Was wiederum führte zu relativ hohen (die tatsächliche, im Arbeitsprozess erfahrene Entfremdung subjektiv partiell kompensierenden, also scheinbar erträglich machenden) Lohnniveaus. Und zwar weiter Teile der abhängig beschäftigten Bevölkerung, übrigens nicht nur der mehr oder weniger qualifizierten Facharbeiter, sondern auch mancher angelernter Bandarbeiter (z.B. in der Automobilindustrie) und gewiß auch der mittleren Kader unter den Angestellten (white collar workers).(11) Und was, angesichts der angehobenen Massenkaufkraft, beitrug zum Erscheinungsbild einer durch ein fordistisches Produktionsregime, das billige Massengüter herzustellen versprach, ermöglichten „Konsumgesellschaft“. 

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass dieses scheinbar so erfolgreiche, nämlich Wirtschaftskrisen (bis zu einem Grad, der manche vom Ende des Krisenzyklus bzw. business cycle sprechen ließ) dämpfende und den sozialen Frieden in lange nicht mehr gekannter Weise sichernde System des keynesianisch regulierten Kapitalismus heute im wesentlichen passé und ad acta gelegt ist –  selbst wenn noch, in Gestalt hoher Militärausgaben und gewisser,  zeitweise zivile Investitionen fördernder staatlicher Programme, keynesianische Instrumente isoliert zur Anwendung kommen.

Warum ging die Zeit des Keynesianismus  (manche sprechen von einem sozialdemokratischen Jahrzehnt, wiewohl es um eine längere, aber in Westdeutschland z.B. ganz deutlich zwischen 1965 und 75 kulminierende Entwicklung geht) nach 1975 – in manchen Ländern relativ schnell, in anderen offenbar zeitlich verzögert –   ihrem Ende zu? Und gibt es Chancen eines Wiederauflebens eines fundamental keynesianisch geprägten, erfolgreich regulierten, die jetzige Krise überwindenden Kapitalismus, wie manche – so Stiglitz, Krugman, aber auch französische und deutsche Wirtschaftswissenschaftler – anzunehmen scheinen?

Warum also, Schritt für Schritt, im Gefolge der Weltwirtschaftskrise von 1973-75,  der Übergang zu einer Phase der neoliberalen Deregulierung, des Reallohnabbaus, der Schwächung der Gewerkschaften, des Abbaus von Schutzrechten der Beschäftigten, des Sozialstaats-Abbaus und der erheblichen Reduzierung der Unternehmenssteuern und der Einkommenssteuer für die oberen Einkommen? Und dies bei gleichzeitiger Anhebung der die breiten Massen relativ zum Einkommen am stärksten treffenden direkten Steuern (value added tax, Mehrwertsteuer).(12) Denn es kann kein Zweifel daran bestehen, dass genau dieser Weg  - wenn auch, wegen der unterschiedlichen Durchsetzungsbedingungen, der unterschiedlichen Grade des Widerstands von unten, nicht völlig synchron – in den letzten Jahrzehnten international beschritten wurde.

Das entscheidende, ausschlaggebende neue Phänomen, dass die keynesianisch geprägte Politik aus der Bahn warf und letztlich so stark diskreditierte, dass der Paradigmenwechsel für die Kapitalseite und die politische Klasse in den „westlichen Industrieländern“ scheinbar unausweichlich wurde, war die in den 70er Jahren einsetzende, bis heute nicht wirklich überwundene – aber hinsichtlich ihrer Kosten für das „Staatssäckel“ (und darum eben für die Unternehmens- und andere Steuern zahlende Kapitalseite) im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren inzwischen erheblich weniger ins Gewicht fallende –  sogenannte Strukturkrise. 

Diese Krise brachte, wie wir wissen, eine in diesen Dimensionen über eine Reihe von Jahren nicht mehr erlebte, also zeitweise verschwundene, nun aber erstmals seit der Weltwirtschaftskrise von 1929ff. wieder unverhüllt in Erscheinung tretende, langfristig andauernde statt nur als akutes, kurzfristiges Phänomen auftretende Massenarbeitslosigkeit von bald schon wahrhaft enormen Ausmaßen, die dem Versagen des keynesianischen Instumentariums angelastet wurde. Diese Arbeitslosigkeit, die bald schon in einem solchen Ausmaß vorlag, wie man es seit den 30er Jahren nicht mehr gekannt hatte, wurde dann allerdings in der Folge, wie wir wissen,  durch den in den USA und Westeuropa in den 1980er Jahren stattfindenden Kurswechsel zu einer monetaristischen Wirtschaftspolitik – welche vor allem die gleichzeitige Inflation in den Griff zu kommen trachtete und zunächst einmal drastisch reduzierte –  noch deutlich verschärft. Joachim Hirsch und Roland Roth bezeichneten Mitte der 80er Jahre das, was sich abspielte, als den „Niedergang der keynesianischen Hegemonie“, der offensichtlich „globaler Natur“ war und sahen darin den Effekt einer „Krise der Kapitalverwertung und der Akkumulationsstrategie“, welche „die vielfältigen  gesellschaftlichen Widersprüchlichkeiten und Konflikte zu einem historischen Bruch“ verdichteten. (13) 
 

Die Finanz- und Sozialpolitiker nicht nur in den USA, sondern gerade auch in Westeuropa, wo das soziale Sicherungsnetz umfassender war, hatten damals allesamt die Erfahrung machen müssen, dass die ab 1973 deutlich zunehmende Langzeitarbeitslosigkeit im Verein mit den nun insgesamt relativ permanent hohen, wenn auch leicht fluktuierenden Arbeitslosenquoten das soziale Sicherungssystem stark belastete und Spielräume einer keynesianischen antizyklischen Politik staatlicher, der Intention nach private Investitionen stimulierender Ausgaben verengte, die aus einem anderen Grund ohnehin eng geworden waren. Die Grunderfahrung der Finanzpolitiker, die durch antizyklisches „deficit spending“ den Weg aus der Krise hätten ebnen müssen, war, dass eingesetzte staatliche Mittel auf Grund einer inzwischen unübersehbaren Inflation „verpufften“.(14) Die Unternehmen preisten inflationsbedingt in ihre Rechnungen das Mehr an staatlichen Ausgaben, die auf Förderung einer unternehmerischen Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze abzielten, gleich mit ein, sodass ein Mehr an Mitteln für staatliche Projekte, deren Ausführung an private Unternehmen vergeben wurde, nicht (wie in früheren Jahren der Fall) automatisch ein Mehr an Arbeitsplätzen bedeutete.

Die Erscheinungsformen der Strukturkrise sind unbestritten. Aber was waren (A) die Ursachen der massenhaften und zum Teil langfristigen „Freisetzung“ von Arbeitskräften seit ca. Mitte der 70er Jahre, und was war (B) die Ursache der Inflation? Hing beides zusammen? Was davon, ging, wenn überhaupt, auf das Konto der keynesianisch geprägten Wirtschafts- (und Sozial-) Politik? Und warum konnte die keynesianisch geprägte Politik darauf offenbar keine zumindest die Kapitalseite befriedigende Antwort mehr geben, wie sie es doch bislang – seit dem New Deal, in gewissem Sinne sogar im Zweiten Weltkrieg, und dann seit dem Koreaboom bis zum Anfang der 70er Jahre getan hatte?

Auf die letzte Frage, nach der in den 70er Jahren versagenden „Antwort“ des Keynesianismus, ist die Antwort bereits gegeben worden: die Inflation machte die Spielräume, machte also die Wirksamkeit des Instruments, das zusätzliche Staatsausgaben in Krisenzeiten dargestellt hatten, zunichte.

Was die in den 70er Jahren ansteigenden Arbeitslosenquoten angeht, so waren sie nicht zuletzt eine Folge eines Nachfragerückgangs auf Seiten der Konsumgüter nachfragenden Massen, der mit einer seit  den 60er und erst recht in den 70er Jahren sich bemerkbar machenden, reale Kaufkraft abschöpfenden  Inflation zusammenhing, wobei der Kaufkraftverlust durch Lohnerhöhungen nicht hinreichend kompensiert wurde. Andererseits hing die sich auf die Nachfrage nach Arbeitskräften auswirkende stagnierende oder zurückgehende Nachfrage nach Konsumgütern ihrerseits insofern wieder mit diesem Anstieg von Arbeitslosigkeit zusammen, als letzterer sich negativ auf die Lohnsumme auswirkte und dadurch einen weiteren Nachfragerückgang auslösen musste. 
Die Inflation war allerdings nicht der einzige auslösende Faktor der negativen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Denn dieser (und damit der Umfang der Massenkaufkraft) war außerdem zum einen beeinflusst von dem in den 60er Jahren einsetzende Export von Arbeitsplätzen und einer beginnenden Deindustrialisierung, die bald zur Rede von den zu teuren, nicht zu haltenden „alten Industrien“ in allen Industrieländern der „westlichen Welt“ führen sollte. 
Hinzu kam aber zweifellos eine weitere Tendenz, nämlich die Freisetzung von Arbeitskräften auf Grund technologischer Innovation. Gemeint sind hier die quer zur Produktionsauslagerung der Unterhaltungselektronik-Industrie, der Textilindustrie, der Schuhindustrie, der Reifenindustrie usw. stehenden Effekte der Kapitalinvestition zwecks Modernisierung der produktiven Basis (so in Gestalt einer beginnenden Automatisierung). Und zwar an den nach wie vor in den Zentren des Kapitalismus befindlichen „interessanten“, oft auch marktnahen Standorten der international besonders stark in den Kampf um Marktanteile verwickelten oligopolistischen Konzerne z.B. der Automobilindustrie, der Chemie- und Pharmaindustrie u.ä.,  was auf Grund einer oft deutlich gesteigerten Produktivität zu konzern- und spartenspezifischen Grenzen der Nachfrage nach Arbeitskräften und in Rezessionen zu Entlassungen führen musste. 
 

Vielleicht sind aber auslagernde und an alten Standorten modernisierende Strategien gar nicht immer unvereinbar gewesen, sondern konnten unter Umständen im selben Konzern in koordinierter Weise Seite an Seite praktiziert werden. 
In der Tat liefen beide Strategien auf eine Drosselung des Bedarfs an Arbeitskräften an Standorten in der sogenannten „Ersten Welt“, also im entscheidenden Experimentierfeld keynesianischer, auf Vollbeschäftigung abzielender Wirtschafts- und Sozialpolitik hinaus: Die vermutlich schon in den 60er Jahren angedachte, um 1970 herum bereits deutlich zur Wirklichkeit werdende global factory als Strategie der Konzerne, die Rendite zu erhöhen, indem man die Produktion von „Komponenten“ (parts and components) in „Billiglohnländer“ – in den eine Vorlaufphase darstellenden 60er Jahren noch nach Japan, dann vor allem nach Süd-Korea, in die chinesische Inselprovinz Taiwan, nach Hong Kong und Singapur –  auslagerte, hat in der sogenannten „Ersten Welt“ verheerende soziale Konsequenzen gezeitigt.(15)  Die international operierenden Konzerne setzten in der Folge immer stärker auf eine sogenannte „virtual factory“ koordinierter Produktionsabläufe, die im Mutterkonzern und an den diversen, in der Welt verstreuten Produktionsstandorten der mit dem multinational operierenden Konzern vernetzten Subunternehmer (den „subcontractors“ als abhängigen Partnern) sowie bei Bedarf in eigenen Abteilungen und  Tochtergesellschaften im Ausland („subsidiaries“) stattfanden und bald auch im Sinne eines logistisch ausgefuchsten „just in time“ Konzepts auf einander abgestimmt waren.(16)   Und zwar mit dem primären Ziel der Reduzierung der Produktionskosten, aber auch mit dem bisweilen nicht unwichtigen Ziel, nah an der Nachfrage, an den Märkten zu produzieren, wenngleich niedrige (und – muß man heute hinzufügen – unter ökologischen Gesichtspunkten viel zu niedrige) Frachtkosten zumindest bei den in Ostasien für den US-amerikanischen und westeuropäischen Markt bestimmten Massenkonsumgütern diese Erwägung außer Kraft setzten. 

Wieso aber hatte eine keynesianisch geprägte, vorgeblich rational die spontanen Ungleichgewichte der kapitalistischen Produktionsweise „korrigierende“ Wirtschaftspolitik das Entstehen einer Inflation von erheblichem Gewicht und sogar – schlimmer noch – einer „Stagflation“, also einer mit inflationärer Preisentwicklung verknüpften wirtschaftlichen  Stagnation nicht verhindern können, nachdem das keynesianische Instrumentarium ja über Jahre hinweg nicht nur hohe Wachstumsraten, sondern auch die Minimierung rezessionsartiger Erscheinungen zu sichern schien?(17) 

Zunächst einmal ist zu sagen, dass bei allen positiven arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Effekten, welche der von den „westlichen“ Regierungen praktizierte Keynesianismus ohne Frage gezeitigt hat, die ideologische „Erzählung“ der Keynesianer, zumindest der unbedarfteren unter ihnen, dass so die Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Systems überwunden worden sei, in den Bereich der Ammenmärchen gehört.

In Nazi-Deutschland ist die über Staatsschulden finanzierte, der Rüstung und Infrastrukturprojekten „zugute“ kommende Wirtschaftsankurbelung schon 1936 an ihre Grenzen gestoßen und der 1938 erfolgende Einmarsch in Österreich, dann der Einmarsch in der Tschechoslowakei und der 1939 vom Zaum gebrochene Zweite Weltkrieg waren es vor allem, die von der sich erneut ankündigenden Krise ablenkten.

In den USA haben die Infrastrukturprojekte der Roosevelt-Regierung das Land durchaus nicht zügig aus der langanhaltenden Wirtschaftskrise geführt und die Sozialpolitik milderte nur zögerlich die Massenarmut. Erst der Krieg brachte ab 1941 eine erhebliche Zahl neuer, relativ gut bezahlter Jobs. Und die Einberufung von Millionen junger Menschen in die Armee milderte den Druck der Beschäftigung Suchenden auf den Arbeitsmarkt. Unmittelbar nach Ende des Kriegs (also 1945/46/47) kam es trotz keynesianischer Orientierung zu einem Wirtschaftseinbruch in den USA, aus dem dann recht eigentlich erst der Korea-Boom herausführte. 

In Westeuropa finanzierte der Marshall-Plan zumindest teilweise den Wiederaufbau.(18) Angesichts des Ausmaßes der kriegsbedingten Zerstörung mussten sich die Unternehmen und die Wirtschaftspolitiker um mangelnde Nachfrage keine Sorge machen und die USA sicherten, wie gesagt, weitsichtig – auch im Kontext des einsetzenden Kalten Kriegs – einen beachtlichen Teil der Finanzierung. Wobei, mit zunehmender „Gesundung“ der westeuropäischen Volkswirtschaften, die ja ohne Frage von der Rekonstruktion ihrer produktiven Basis abhing, auch US-amerikanische Firmen von den wieder in Gang kommenden transatlantischen Geschäftsbeziehungen profitierten. Eine hübsche Anekdote in diesem Kontext erwähnt den rasant ansteigenden Konsum von Coca Cola durch die Abgeordneten des westdeutschen Bundestags in den frühen 1950er Jahren.

Die 50er und 60er Jahre waren Jahre hoher Wachstumsraten –  zumindest im westlich geprägten Teil der industrialisierten Welt –  auch wegen des eklatanten Mangels, der zumal in Europa zu überwinden war. Der Rüstungswettlauf des Kalten Kriegs spielte als wichtiger, in gewissem Sinne geradezu keynesianisch anmutender Ausgabenfaktor mit hinein in dieses Bündel von Faktoren, die Vollbeschäftigung als Normalfall erscheinen ließen und steigende Realeinkommen der Lohn- und Gehaltsabhängigen in diesen Jahren in den USA und auch in Westeuropa, mit Ausnahme seiner südlichen Peripherie, nachgerade zur „Selbstverständlichkeit“ machten. 

Nun ist aber, unabhängig von der Anwendung keynesianischer Instrumente in der staatlichen Wirtschaftspolitik, auch für Wirtschaftsliberale der Zusammenhang zwischen „Vollbeschäftigung“ bzw. Arbeitskräfteknappheit in einer expandierenden Volkswirtschaft und der Fähigkeit von Gewerkschaften, unter diesen Bedingungen Reallohnerhöhungen durchzusetzen, nicht überraschend. Er entspricht sozusagen der „Marktlogik“ und gilt ihnen als bloßes Resultat des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Die Differenz zwischen Keynesianern und Wirtschaftsliberalen besteht darin, dass erstere diesen Effekt wollen, während letztere „Vollbeschäftigung“ nicht für wünschenswert halten, wegen des ihrer Ansicht nach „fatalen“ Effekts anziehender Reallöhne, also eines Drucks auf die Profite.

Das in gewissem Sinne kontingente Faktum, welches das keynesianisch modifizierte kapitalistische Akkumulationsregime der 1950er und 60er Jahre am deutlichsten aus der Bahn warf, ist offenbar der ab Mitte der 60er Jahre an Intensität zunehmende, sehr kostspielige Vietnam-Krieg.(19) Eine erste Reaktion auf den kriegsbedingten Anstieg der Inflation in den USA war übrigens die den US-Interessen entgegenkommende, 1971 gemeinsam getroffene Entscheidung der zehn führenden westlichen „Wirtschaftsmächte“ (Group of Ten), den 1944 in Bretton Woods vereinbarten Gold Exchange Standard aufzugeben und den US-Dollar –  damit aber letztlich alle Währungen – „floaten“ zu lassen. Eine Entscheidung, die sich schon 1967 mit der Attacke der Währungsspekulation auf das britische Pfund und dem gleichzeitigen Hochtreiben des Goldpreises abzeichnete bzw. schon 1968 vorankündigt wurde, als der Kongress die Regelung aufhob, wonach für ein Viertel der US-Währung Goldreserven vorrätig zu halten seien.

Kritiker der keynesianischen Wirtschaftspolitik haben oft und z.T. aus guten Gründen argumentiert, dass diese Politik die ständig neu auf ein Desequilibrium, ein Ungleichgewicht hinauslaufende kapitalistische (Welt-)Marktdynamik nicht wirklich rational kompensierend in ein Gleichgewicht zurückversetzt, dass sie vielmehr die dieser Logik einbeschriebenen Negativeffekte –  statt sie in Krisen periodisch akut zur Erscheinung kommen zu lassen – vor sich herschiebt und somit gleichsam akkumuliert. Sodass die Stagflation, die Mitte der 70er Jahre unverkennbar wird, nur die in den Zeiten der gemilderten oder ganz verhinderten „Rezessionen“ erfolgende Anhäufung der Probleme ist, die ansonsten in scharfen Krisen eine andere, disruptivere aber weniger langanhaltende Form angenommen hätten. Es ist bekannt, dass Wirtschaftsliberale von der „reinigenden Kraft der Krisen“ sprechen. Aber auch sie verkennen etwas: Jede scharfe Wirtschaftskrise treibt den Prozess der Kapitalkonzentration, des Verschwindens, also Bankrottgehens der Schwachen, des „Schluckens“ der „Kleinen“ durch die „Grossen“, der Fusionen (mithin von „mergers and acquisitions“) weiter auf die Spitze. Und auch dieser zweifellos Marktmacht auf Kosten der vielen individuellen Nachfrager (Nachfragern, wohlgemerkt, nach Arbeit wie nach Konsumgütern) konzentrierende Prozess der Oligopol- und z.T. Monopolbildung (letzteres wenigstens auf regionalen Märkten, wie im Fall der Energieerzeugung und –versorgung) führt – wenn auch in anderem Sinn als die in den 70er Jahren in Stagflation endende keynesianische Wirtschaftspolitik – zu einem ausweglosen Impassé: zu einer Überakkumulationskrise, die vor die Notwendigkeit stellt, große Teile des akkumulierten Kapitals spekulativ (auf den Finanzmärkten, Immobilienmärkten, den commodity markets, usw.) anzulegen oder zu thesaurieren oder z.B. in Kriegen um zu erringende oder zu verteidigende Vorherrschaft zu verausgaben. Und das, weil die andere Seite dieser exzessiven, zu erfolgreichen Kapitalakkumulation eine Unterkonsumption, eine mangels Kaufkraft der potentiellen Nachfrager, mithin eine weit hinter den realen Bedürfnissen zurückbleibende realisierte Nachfrage der Massen ist.

Die Ausgereiztheit der keynesianischen Variante kapitalistischer Krisenbewältigungspolitik war in den 70er Jahren gewiss auch der von der Politik nicht länger rein antizyklischen Handhabung des von Keynes vorgeschlagenen Instrumentariums geschuldet. Paul Mattick hatte wohl recht, als er zeigte, dass die Währungsturbulenzen der 70er Jahre, die Krise von 1973-74, und die sich dann immer stärker zur Geltung bringende Stagflation in besonderem Maße den ungeheuren Kosten des Vietnamkriegs der 60er und 70er Jahre geschuldet waren. Aber – so ist zu fragen – war diese Verwässerung der reinen Lehre eines John Maynard Keynes unter dem real-, also machtpolitischen Gesichtspunkt der Hegemonialinteressen der USA überhaupt vermeidbar gewesen? Theorien auch wirtschaftswissenschaftlicher Art werden nicht unter abstrakten Bedingungen, sondern in konkreten, historisch hervorgebrachten, sozialen Kontexten zur Anwendung gebracht. Und so stellt man wohl, zurückblickend, aus gutem Grund die Frage: war nicht in den 60er und 70er Jahren die US-amerikanische Politik des immerwährenden, über die Notenpresse finanzierten, also beileibe nicht antizyklischen Herauftreibens der Kriegs-, also Staatsausgaben, auch eine notwendige Folge des realen politökonomischen Gewichts des „militärisch-industriellen Komplexes“, wie Eisenhower diese Konstellation, dieses Interessennetzwerk von Industrieunternehmen samt ihren Groß-Aktionären, darunter Banken, von Militärs und Kongressabgeordneten nannte? Also eine Folge der realen innerhalb der herrschenden Klasse gegebenen Kräfteverhältnisse, welche zugunsten bestimmter, an Extraprofite gewöhnter, durchsetzungsfähiger Kapitalfraktionen ausschlugen?

Empirisch nachweisbar ist jedenfalls, dass die damaligen Verantwortlichen in der US-Regierung mit ihrem längst nicht mehr nur antizyklischen, sondern ständigen „deficit spending“ in der Klemme waren. Die Rüstungsausgaben ermöglichten diversen großen Unternehmen zwar Extraprofite. Die Gewerkschaften hatten zwar für erhebliche Teile der Arbeiterschaft  hohe Löhnen in der insgesamt vom Rüstungsboom profitierenden Wirtschaft aushandeln können. Aber, wie Mattick zeigte, entsprach der dadurch gewachsenen Lohnsumme, die allen Beschäftigten in den  USA zuteil wurde,  keine entsprechend vermehrte Menge an für den zivilen Markt bestimmten Waren; die Rüstungsgüter, für deren Herstellung Löhne gezahlt und bei deren Herstellung ein Mehrwert realisiert wurde, landeten ja nicht auf dem zivilen Markt; sie wurden dem Markt entzogen und waren letztlich, ohne in den Warenkreislauf eingetreten zu sein, zur Vernichtung bestimmt.  Damit verschärfte sich marktwirtschaftlich ein Ungleichgewicht: Inflation auf dem inneramerikanischen Markt war die Folge. 

Dank der hegemonialen Position der USA und der Rolle des US-Dollars als Leitwährung blieb den US-„Eliten“ jedoch die Möglichkeit zur Milderung ihrer Krise durch den Export der „hausgemachten“ Inflation. 

Einen ersten Schritt zur Ermöglichung einer solchen Politik hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Abkoppelung des US-Dollars (als Leitwährung) vom Goldstandard ermöglicht. Den endgültigen Dammbruch bedeutete aber die bereits erwähnte Aufgabe des Systems der festen Wechselkurse, das übrigens schon als System der „fixierten“ – statt ständig variabel dem Spiel von Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten unterworfenen –  Kurse vom stärksten global player, dem USA, durch Kurs-Neufestsetzung zum eigenen Vorteil manipuliert werden konnte. 

Der Vietnamkrieg, den die USA erst 1975 beendeten, und der Export der Inflation in die Länder ihrer Handelspartner hat damals die Stagflation zwangsläufig für einige Jahre zu einem beinahe weltweiten Phänomen gemacht.  Eine Stagflation ergab sich gleichsam zwingend aus dem Zusammentreffen zweier Grundtendenzen. Sie ergab sich (1.) aus dem teilweisen Wegbrechen der Binnennachfrage in den „westlichen Industrieländern“ als Folge der zunehmenden Arbeitsplatzvernichtung (a) durch „Auslagerungen“ („Arbeitsplatzexport“) und (b) durch technologische „Modernisierung“, als Folge mithin von Massenentlassungen, was –  auch über den jetzt verstärkt ausgeübten Drucks auf die Löhne –  zu einem Stagnieren der (nominalen, d.h. nicht preisbereinigten) Lohnsumme führen musste. Und sie resultierte (2.) aus dem Anziehen der Preise, welche die großen Anbieter auf den Binnenmärkten dennoch durchsetzten, indem sie die Geldentwertung „einpreisten“, was wiederum ihrem Absatz auf den nationalen Märkten, auf dem ihr hauptsächlicher Standort war, Grenzen setzen musste. Die westeuropäischen und japanischen Anbieter suchten in der Folge noch deutlicher als ohnehin schon üblich gewesen war, unzureichende Nachfrage auf dem Binnenmarkt durch Exporte zu kompensieren, während das US-Kapital dazu neigte, unzureichende zivile Nachfrage durch Stimulierung und Bedienung der Nachfrage nach militärischen Gütern zu kompensieren, was wiederum der Inflation Auftrieb gab.

Die Stagflation war das entscheidende Phänomen, das den Paradigmenwechsel angesichts der damals vorherrschenden Ratlosigkeit nahezu unausweichlich machte.

Es erfolgte in der Konsequenz der Wechsel von der mehr oder weniger keynesianischen kapitalistischem Wirtschaftspolitik, die Franklin Delano Roosevelts New Deal in den USA und auf durchaus vergleichbare Art auch die kriegsvorbereitende sowie Kriegswirtschaft der Nazis in Deutschland) eingeleitet hatten, zu einer von der Chicagoer Schule, also von Milton Friedman und anderen befürworteten neo-liberalen Wirtschaftspolitik. Es war genau diese neo-liberale, monetaristische Politik, die dann in der zweiten Hälfte der 70er Jahre zuerst in Chile unter Pinochet in vollem Umfang getestet werden konnte, da dort sofort durch das auf faschistische Methoden zurückgreifende Putschregime jeder zivile, soziale Widerstand der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung gebrochen war. Es fehlte in Chile, dem Testfeld oder Laboratorium der „Chicago boys“, also jener Faktor, der zumindest in Westeuropa oft die brutale, schnelle Umsetzung der neo-liberalen Prämissen erschwerte, sodass hier – sieht man einmal vom Großbritannien der 80er Jahre ab, wo die Thatcher Regierung auf eine „Schocktherapie“ setzte – eher Schritt für Schritt, im Sinne einer Salamitaktik, soziale Errungenschaften liquidiert werden mussten.(20)
Was dann rasant und tatsächlich sehr brutal erst seit dem Wegfall der sogenannten „Systemkonkurrenz“ (also ab 1989-91) möglich wurde.
 

3 Die Weltwirtschaft unter der Peitsche des Neo-Liberalismus

Das Dominant-Werden der mit den Begriffen global factory und virtual factory benannten der Strategie, welcher die Absicht zugrunde lag, die im Kontext des keynesianischen Regulationsregimes unübersehbar zum Tragen kommende langfristige Tendenz fallender Durchschnitts-profitraten zu stoppen und umzukehren, hat längst zu unübersehbaren Deindustrialisierungs- und Umstrukturierungsprozessen in den alten Industrieländern des kapitalistischen Weltsystems geführt. Und dies mit der Konsequenz von „rust belts“ im Nordosten der USA, im französischen Lothringen und Departement du Nord, in der belgischen Wallonie, im westdeutschen Ruhrgebiet. Sie hat im wesentlichen das Aus für die Schuh-  und Textilindustrie in der „Ersten Welt“ gebracht. Und schon früh die Auslagerung der Auto- und Flugzeugreifen-Industrie, um nur die augenfälligsten Beispiele zu nennen. Goodyear z.B. hatte schon in den 70er Jahren den zentralen Produktionsstandort der Firma in Akron, Ohio in einen Verwaltungssitz (das company headquarter) verwandelt und produzierte z.B. Flugzeugreifen für die U.S. Air Force mit Vorliebe nah an den Nachfragern, auf den Philippinen für den Krieg in Vietnam, in der Türkei und in Spanien für Standorte in Westeuropa.  Die Herstellung von Fernsehgeräten wie überhaupt der Unterhaltungselektronik der unteren und mittleren Preiskategorie war ebenfalls schon Mitte der 70er Jahre weitgehend – z.B. von Ford Philco und von Philips – nach Fernost verlagert. Die Automobilindustrie ist seither, was nicht nur Elektronikkomponenten betrifft, diesem Beispiel gefolgt.

Die Folge der Verlagerungen von Produktionsabläufen –  im US-amerikanischen Fall, besonders nach dem Inkrafttreten des NAFTA –Abkommens (North American Free Trade Agreement),  zunehmend auch an grenznahe Standorte in Mexiko – waren „Freisetzungen“ von Arbeitskräften sowie erheblicher Druck auf die Löhne der Beschäftigten in den USA und bald auch in Westeuropa. Die Lohnsumme und damit die Nachfrage stagniert dort, während seither die Gewinne wieder explodiert sind. Die Exportindustrien haben auf Kosten der Binnenkonjunktur an Gewicht gewonnen; die rein spekulativen Verwertungsprozesse im Bereich der Finanz-, Rohstoff-, Devisen- und Immobilienmärkte haben an Gewicht gewonnen, aber ihre „Volatilität“ ist erheblich. 

Dieser Prozess setzt deutlich vor den 90er Jahren ein. Er fällt in seiner Anfangsphase zum Teil noch in eine Periode sich offiziell als keynesianisch verstehenden Regierungshandelns, verlief aber selbst damals schon im wesentlichen nicht mehr unter keynesianischen Vorzeichen. Es kam gewissermaßen zu dem, was man im Sport einen fliegenden Wechsel nennen würde. Zu einem qualitativen Umschlagen, mit anderen Worten. Je höher die Zahl der „Freigesetzten“, die langfristig freigesetzt blieben, angeschwollen war, desto ineffizienter war das keynesianische Instrumentarium geworden, das ihre Reintegration in den Arbeitsmarkt hätte bewirken sollen, was es aber nicht mehr schaffte. Und desto unvermeidlicher hatte der Kapitalseite, dem Regierungspersonal und seinen Experten ein (in vielen Fällen schrittweise vollzogener) Kurswechsel geboten erscheinen müssen.

Inzwischen sehen wir die Folgen des Kurswechsels. In der Tat gelang es, dem profit squeeze, der „Profitklemme“ also, zuleibe zu rücken.(21) Doch mehr denn je seit der Zeit vor der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise, die in die Grosse Depression mündete, sind heute die breiten Massen von der enormen Konzentration weltweit gesellschaftlich produzierten Reichtums abgekoppelt. Auch in der „Ersten Welt“. Und die Fähigkeit der Finanz- und Industriepolitik, mindestens in dieser „Ersten Welt“ die zunehmenden Widersprüche zu kitten und zu verschleiern, nimmt weiter schonungslos ab. 

Eben diese Tendenz hin zu einer mittlerweile deutlich rasanter als unter dem alten Paradigma erfolgenden Überakkumulation ist es, welche wir den neo-liberalen Korrekturen an der noch Mitte der 70er Jahre systematisch verfolgten keynesianischen Wirtschaftspolitik verdanken. Sie ist das Ergebnis, welches uns die letztendliche Aufgabe eines regulierten Kapitalismus, einer staatlichen Interventionsstrategie im Sinne von aktiver Industrie- und Sozialpolitik zugunsten einer neo-liberalen Strategie gebracht hat. 

Wir bemerken rückblickend die bereits in den 70er Jahren einsetzenden, aber seit den 1990er Jahren bewusst durch die nun vorherrschende Politik und die veränderten Praktiken der Kapitalseite beschleunigten gesamtgesellschaftlichen Umverteilungsprozesse, die immer mehr gesellschaftlich produzierten Reichtum in immer weniger Händen konzentrieren sollten. Was selbst konformistische, des Nachdenkens fast schon entwöhnte Journalisten von einer „Umverteilung von unten nach oben“ sprechen lässt und davon, dass „die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden“. Obwohl diese Diskurse nichts erklären, kommen sie doch an der eklatant ins Auge springenden Empirie nicht vorbei. 

Unbezweifelbar ist in den USA und in Europa längst schon das Faktum der im Durchschnitt nicht mehr nur stagnierenden, sondern inzwischen auch wieder negativen Entwicklung der Realeinkommen der Bevölkerungsmehrheit. Was im globalen Zentrum der Kapitalakkumulation, also in den USA, inzwischen auch zum weitgehenden Verlust der Fähigkeit des Wirtschaftssystems geführt hat, einer Erodierung der Nachfrage breiter Bevölkerungsschichten durch das Instrument der Konsumentenkredite entgegenzuwirken. (22)

Es ist nicht zu verkennen, dass die im statistisch ermittelten Konjunkturverlauf ablesbaren  kapitalistischen Krisen bereits ab der Krise von 1973/74 erneut an Schärfe gewannen. Inzwischen treten sie in immer kürzeren Abständen in Erscheinung. 

Heute lässt allerdings die sogenannte Finanzkrise –  eine logische Folge des immer stärkeren Setzens auf spekulative Anlageformen, die wiederum ein Ausfluss der unübersehbaren Kapitalverwertungs-Schwierigkeiten im Bereich der sogenannten realen, und zwar vor allem der produzierenden Wirtschaft sind (wo nur noch relativ „neue“ Standorte und Märkte – allen voran China, Indien sowie Brasilien „Auswege“ eröffnen und „Atempause“ verschaffen) – den Ruf nach einem ökonomischen „Regimewechsel“ ein zwar noch vorsichtiges, aber erkennbares Echo finden. Man erwägt also ein Zurückschwenken zu mehr Regulation und zu alten und „neuen“ keynesianischen Rezepten in Politikerkreisen und unter Wirtschaftswissenschaftlern. 

Aber welche Antworten, welche Chancen bietet eine Rückkehr zum Keynesianismus und zu Neuauflagen eines „New Deal“?
 
 

4 Gute oder schlechte Aussichten? Wohin wollen wir „gehen“?

Vor allem sich als fortschrittlich verstehende bürgerliche Wirtschaftswissenschaftler kritisieren heute die Deregulierung, die in den USA durch die Aufhebung des Glass-Steagall Act unter Clinton im Jahre 1999 einen entscheidenden Dammbruch in Richtung auf ein fast ausschließlich finanzmarktgetriebenes „Wirtschaftswachstum“ brachte.(23) Im Unterschied zu ihren Kritikern übersehen Apologeten dieses Wachstums oft, dass es nicht nur die Finanzmarkt-Volatilität sowie –   angesichts der Auswirkungen der Finanzmarktentwicklung auf die sogenannte reale Wirtschaft –  die Instabilität des Wirtschaftssystems und letztlich die Krisen verschärfte. Sondern dass es zugleich mit der tendenziellen „Explosion“ der Gewinne eine bislang statistisch mehr oder weniger geschickt verschleierte inflationäre Tendenz verstärkt hat, die längst vor Ausbruch der Krise in Erscheinung trat und die in der jetzigen Krise im wesentlichen anhält. Die Rede ist hier von einer Preisentwicklung bei den Mieten, Nahrungsmitteln, einigen weiteren Gütern des täglichen Bedarfs und  bei den Kosten von Strom, Gas, Wasser, Benzin usw., von der vor allem die lohnabhängigen Beschäftigten – und hier die untersten Einkommensgruppen auf besonders negative Weise –  betroffen sind. Etwa in der Art, dass heute die Zahl der obdachlosen Familien in den USA eine Rekordhöhe erreicht und dass über 30 Millionen US-Amerikaner hungern und immer mehr „arbeitende Arme“ nicht mehr wissen, wie sie die Stromrechnung, Miete oder die Hypothekenzinsen sowie ab der Monatsmitte noch das tägliche Essen bezahlen sollen. An die Bedienung ihrer Kreditkartenschulden ist unter solchen Umständen kaum noch zu denken.

Für die einen erneuten Paradigmenwechsel befürwortenden „fortschrittlichen“ Ökonomen wie Stiglitz, Krugman usw. deutet sich mit einer Rückkehr zum Keynesianismus eine erneute Chance für die Sozialpolitik ebenso wie eine Möglichkeit der regulativ betriebenen Einschränkung der Finanzmarktspekulation an.

Aber die Politik, die  Keynes befürwortete, hatte immer hohe Wachstumsraten und dadurch garantierte kapitalistische Verteilungsspielräume zur Voraussetzung. Die ökologische Krise als Moment der gegenwärtigen mehrere Aspekte (ökonomische, soziale, usw.) umfassenden fundamentalen Systemkrise verbietet aber geradezu grenzenloses Wirtschaftswachstum, also eine in altbewährter Manier auf „growth“ setzende Politik.

Des weiteren hat die keynesianische Politik immer die Umsetzung eines kredit-, also auf dem Wege der Staatsverschuldung finanzierten, privatkapitalistische Investitionen stimulierenden staatlichen Interventionismus verlangt. In den 70er Jahren war diese Politik, welche die Aufstockung von Staatsschulden in Krisenzeiten und ihre Rückführung in Boomzeiten vorsah, bereits so weit in einem Schlamassel gefangen, dass sie von bekämpfter Rezession zu anschließender wirtschaftlicher Erholung zu neuer Rezession ad infinitum die staatlichen Schulden in die Höhe trieb. Es war dies eine Politik, die dann – vor allem, aber nicht  nur in den USA – allen gegenteiligen Versprechungen zum Trotz die vom Monetarismus der „Chicago boys“ angetane Wirtschaftspolitik der zum Neo-Liberalismus konvertierten „Eliten“ fortsetzte. Sodass heute die Staatsverschuldung höher ist denn je. In den USA laufen die Notenpressen auf Hochtouren und selbst in Großbritannien werden laut Nick Clegg, dem Vize-Premierminister, täglich 400 Millionen Pfund Sterling (das entspricht ca. 456 Millionen Euro) gedruckt und in Umlauf gebracht.(24) Unklar mag sein, welchen präzisen inflationären Effekt das haben muss. Aber dass unter den Bedingungen einer bereits außerordentlich hohen Staatsverschuldung (mit der die US-Amerikaner und die Europäer im Jahr 2007 in die derzeitige Krise gingen, statt mit ihr aus der Krise herauszukommen) und einer unbezweifelbar erheblichen, wenn auch statistisch kleingerechneten Inflation  die Spielräume für einen innerhalb der kapitalistischen Logik verbleibenden –  letztlich über Anleihen auf den Finanzmärkten finanzierten –  keynesianischen Interventionismus minimal sind, dürfte offensichtlich sein.

Wohin also, wenn auch das neo-liberale Modell gescheitert ist und seine Applikation uns in die schlimmste Sackgasse geführt hat, welche die dem derzeit (noch) bestehenden Wirtschaftssystem ausgesetzten Menschen sowie das Ökosystem unseres Planeten je erlebten?

Offensichtlich ist mehr denn je ungewiss, ob in dieser Situation der Keynesianismus einen echten Ausweg anbieten kann, selbst wenn wir ihm zutrauen sollten, vorerst einige der schlimmsten sozialen Missstände und der bösartigsten Auswirkungen der Finanzmarktspekulation zu mildern. 

(27.7.2011)
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkungen

(1) Leonardo BOFF kritisisiert, dass die derzeitigen von den Regierungen der G-20 Staaten ausgehenden Versuche, durch gewisse Kontrollmechanismen das Funktionieren des realwirtschaftlichen und Finanz-Systems (sistema econômico-financeiro) zu sichern, im wesentlichen auf ein Weitermachen wie bisher hinauslaufen: es geht darum, mit einem Minimum an Investitionen mehr zu verdienen, auf dem Markt zu konkurrieren und den Stress, dem die Natur [durch das Wirtschaftssystem] ausgesetzt ist sowie die Armut als „externalities“ zu behandeln. Boff unterstreicht, dass das Wachstum, um das es den Repräsentanten der G-20 Länder als unverzichtbar angesehen wird, das ökologische Gleichgewicht des Planeten opfert und den skandalösen Graben zwischen Reichen und Armen perpetuiert.  Siehe dazu L. Boff, „A voz das vítimas quem a escutará?“, in: Tlaxcala  http://www.tlaxcala.es/pp.asp?lg=po&reference=7767 und besonders  zur ökologischen Krise auch L.Boff,  „Overextension and Collapse of the World System?“, in: Tlaxcala http://www.tlaxcala.es/pp.asp?lg=en&reference=8453.
Zur ökonomischen Krise u. a. Karl Heinz Roth, „Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven“, in: Wildcat http://www.wildcat-www.de/aktuell/a068_khroth_krise.htm; Karl Heinz Roth, Die globale Krise, Hamburg (VSA) 2009 [Band 1 des Projekts:"Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven" ]; [Blätter für Deutsche und Internationale Politik (Hrsg.)], .Das Ende des Kasino-Kapitalismus?  Globalisierung und Krise.  Berlin  (Blätter-Verlags-Gesellschaft)  2009  [Mit Beiträgen von Elmar Altvater, et al.];  ferner Mike Konczal, „From Mass Prosperity to Severe Recession in Fifty Years“, in: The Nation, 19.Juli 2011, http://www.thenation.com/article/162141/mass-prosperity-severe-recession-fifty-years;   sowie, aus neo-keynesianischer Perspektive: Joseph E. Stiglitz, The Stiglitz Report: Reforming the International Monetary and Financial Systems in the Wake of the Global Crisis; New York, NY (New Press ) 2010. 
Zur Krise der Demokratie u.a. José Saramago, der sagt: „A democracia em que vivemos é uma democracia sequestrada, condicionada, amputada..." – Die Demokratie, in der wir leben, ist eine beschlagnahmte,  konditionierte, amputierte. (José Saramago, „José Saramago - falsa democracia [Falsche Demokratie]“, auf Video aufgenommene Stellungnahme, in: http://www.youtube.com/watch?v=m1nePkQAM4w);  ferner: Stéphane Hessel, Empört Euch!, Berlin (Ullstein) 3.Aufl.2011;  Alain Badiou / Jacques Rancière, Politik der Wahrheit. Hrsg. und aus dem Franz. übers. von Rado Riha, Wien (Turia+Kant) 2010; Jean-Luc Nancy; The Truth of Democracy, New York (Fordham Univ Press) 2010 sowie  Giorgio Agamben ; Alain Badiou ; Slavoj Žižek ; Jacques Rancière ; Jean-Luc Nancy ; Wendy Brown ; Daniel Bensaid ; Kristin Ross, Démocratie, dans quel état? Paris (Fabrique Éd.) 2009.

(2) Während die hohe Staatsverschuldung ein generelles Problem ist, wie die Auseinandersetzung über das Budget Defizit in den USA zeigt, sind es vor allem wirtschaftlich marginalisierte Länder, bei denen man von Schuldenkrisen spricht. In der Asienkrise (ostasiatische Finanzkrise, East Asian Financial Crisis) waren Indonesien, Thailand, die Philippinen und auch Süd-Korea am stärksten betroffen, danach vor allem Russland, Mexiko und Argentinien. 
Obwohl nicht zu den „Schuldigen“ der derzeitigen Finanzkrise zählend, geraten derzeit Länder wie Griechenland ins Visier der großen, vor allem US-amerikanischen Anleger, die auf den internationalen Finanzmärkten aktiv sind. Das griechische Dilemma erinnert an das von Indonesien. Aber auch von Malaysia und Argentinien, wo man sich dem Diktat der Weltbank, des IWF und der international operierenden Anleger widersetzte. 
Im Moment ist jedenfalls deutlich zu erkennen, dass es nicht mehr nur die „Dritte Welt“ trifft, sondern die Peripherie der sogenannten „Ersten Welt“ (nicht allein Griechenland, sondern zuvor schon Island und Irland und inzwischen auch im Ansatz Portugal und Italien). Hier waren und sind im Kontext der seit rund zwei Jahrzehnten ausgesprochen neoliberal geprägten Rahmenbedingungen der Europäischen Union und des Weltmarkts die jeweiligen Regierungen und Bevölkerungen mit wirtschaftlichen Offensiven deutlich stärkerer „Partnerländer“ und das heißt der Konzerne konfrontiert gewesen. Sie wurden zu Steuersenkungen für Unternehmen veranlasst, verloren zum Teil vorher geschützte einheimische Industrien, hatten höhere Sozialausgaben angesichts der dadurch anschwellenden Arbeitslosenraten zu verkraften und riskierten somit gleichsam gezwungenermaßen jene hohe Staatsverschuldung, die heute von konservativen Politikern in Deutschland und Frankreich und von „den Märkten“ bemängelt wird. 
Es sind diese Budget-Defizite, die den genannten Ländern heute das Etikett, in einer„Schuldenkrise“ gefangen zu sein, einbringen.  Dies wohl unter anderem auch deshalb, weil  Rating Agenturen inzwischen – möglicherweise auch im Rahmen einer konzertierten Aktion gegen den Euro, also zur weiteren Absicherung der wirtschaftlichen Führungsrolle der USA – die Bonität ihrer Staatspapieren so stark herabgestuft haben, dass z.B. die griechische Regierung zuletzt bis zu rund 27 Prozent Zinsen im Jahr zu zahlen gezwungen war. Die wirtschaftlich schwächsten, aber pro Kopf durchaus nicht überdurchschnittlich verschuldeten Länder in der EU zahlen damit derzeit enorme Zinsen an die Banken und sonstigen Anleger, die dem jeweiligen ins Visier gekommenen Staat Kredit gewähren. Sie werden obendrein zu konjunkturpolitisch kontraproduktiven „Sparmaßnahmen“, sprich einer Politik der Austerität („austerity“) sowie zur Privatisierung öffentlichen Eigentums mit absehbar desaströsen Folgen für die große Mehrheit der Bevölkerung gezwungen. Griechenland ist vom IWF und der Euopäischen Kommission sowie der Europäischen Zentralbank zu Privatisierungen verurteilt worden, ebenso Irland. Und Portugal findet sich in diesem Sinne ebenfalls unter Druck gesetzt. Nachdem die Rating Agenturen inzwischen auch über die Kreditwürdigkeit des italienischen Staates spekulierten, berichteten am 14.Juli 2011 sowohl Repubblica wie El País davon, dass inzwischen auch die Berlusconi-Regierung in Italien die Privatisierung staatlicher und kommunaler Unternehmen in Italien weiter vorantreiben will. Sie entspricht damit den neoliberalen Leitlinien und den Erwartungen der in ihrer Mehrheit den internationalen Konzerninteressen überaus gewogenen Europäischen Kommission. Vgl. Roberto Mania, „Trasporti, luce, gas: un tesoro da 30 miliardi che i Comuni saranno invogliati a vendere“, in: La Repubblica, 14.7.2011, p.9 und M. Mora / R.M. Rituerto, „Italia congela pensiones y privatiza empresas para frenar los ataques“, in: El País, 14.7.2011, p.1

(3) Es darf nicht verkannt werden,  daß die Verteilungsspielräume, welche sich in den Ländern des „Nordens“ einer keynesianischen (in Westeuropa „sozialdemokratischen“ , in den USA progressiven oder „liberalen“) Politik des Klassenkompromisses und der Pazifierung oder Integration der Arbeiterklasse boten, nicht vom Himmel fielen: Sie waren, ihrer historischen Möglichkeit nach,  weitgehend durch die bisherige  Entwicklung bedingt, sei es als Konsequenz einer kolonialistischen und neokolonialistischen Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt, sei es als Konsequenz der sich auch daraus ergebenden historischen Vorsprünge bei der Kapitalakkumulation und der damit einhergehenden technologischen Entwicklung in den westlichen Ländern: denn es waren seit dem 17. Jahrhundert ungeheure Extraprofite realisiert wurden, welche volumenmäßig im 20.Jahrhundert alles zuvor Dagewesene übertrafen und nun für eine korporatistische Politik der Integration der Gewerkschaften und der durch sie „vertretenen“ lohn- und gehaltsabhängigen Bevölkerung in das politisch-ökonomische System (durch „collective bargaining“ und den „welfare state“) zur Verfügung standen.

(4) Jedenfalls  ist die Verhärtung der Politik der Regierungen, der Unternehmerverbände und der meisten großen Konzerne gegenüber den Gewerkschaften seit Anfang der 90er Jahre zumindest in der Europäischen Union ebenso unübersehbar wie die Vernichtung zahlreicher regulärer tariflich abgesicherter Vollzeitarbeitsplätze, die Zunahme der Leiharbeit, der befristeten und der schlecht entlohnten „prekären Jobs“  sowie die erzielte starke Zunahme der Profitrate.

(5)  Es ist kein Geheimnis, dass die „farm crisis“ in den USA und Westeuropa eine sogenannte Strukturkrise ist. Das heißt, die Marktmacht des Agribusiness (Saat-, Fertilizer- und Pestizidhersteller, Agrarhandelsgesellschaften, commodity brokers und auf den Märkten für Agrarprodukte auftretende Investoren, also Spekulanten) ebenso wie die der Banken, die über sogenannte Farm Management Gesellschaften zahlreiche Terrains in den Bankrott getriebener Farmer verwalten und verpachten, erzwingen letztlich ökologisch und für die Welternährung langfristig katastrophale Kapitalkonzentrationsprozesse im Agrarsektor, denen zuerst die family farms, dann die bereits auf eine industrialisierte, hochspezialisierte Landwirtschaft festgelegten Betriebe mittlere Größe weichen müssen. Die von den kreditgebenden Banken, dem Agribusiness und der Regierung in Washington sowie der Europäischen Kommission induzierte Dynamik wirkt sich über den vom Agribusiness beherrschten Weltmarkt inzwischen auch katastrophal auf die Landwirtschaft in der Dritten Welt mit ihren ökologisch und sozial wichtigen kleinbäuerlichen Sektoren aus. Es ist bedauerlich, daß neben technokratisch ausgerichteten Regierungen (wie in Mexiko, in Süd-Korea) und Interessen des Latifundismus vertretenen Regimes (wie auf den Philippinen) auch angeblich fortschrittliche Regierungen (wie in West-Bengalen die CPI/M) auf diese fragwürdige „Modernisierungsdynamik“ setzen.

(6) Vgl.  zur Politik der Privatisierungen unter der Thatcher-Regierung vor allem: Andrew Gamble, The Spectre at the Feast: Capitalist Crisis and the Politics of Recession, London (Palgrave Macmillan) 2009, sowie Harvey Feigenbaum /  Jeffrey Henig / Chris Hammett, Shrinking the State: The Politics of Privatization, Cambridge UK (Cambridge Univ.Press) 1998. Zur wirtschaftlichen Entwicklung in den Thatcher-Jahren siehe auch:
Andrew Gamble, “The ‘Productivity Miracle’, Profits and Investment ”,  in: Jonathan Michie (ed.), The Economic Legacy, 1979-1992.   London (Academic Press) 1992, pp.77-87 und Cento Veljanovski, “The Political Economy of Regulation”, in: Patrick Dunleavy / Andrew Gamble / Gillian Peele (eds.), Developments in British Politics, Vol. 3. London (Macmillan) 1990

(7) In Deutschland scheute die Kohl-Regierung vor einem harten anti-gewerkschaftlichen Konfrontationskurs zurück. Es waren ab 2003 besonders die unter der rot-grünen Regierung erfolgten, von der Equipe um Schröder, Müntefering, Steinmeier, Clement, Steinbrück, Gabriel und Olaf Scholz durchgeboxten  Kontra-Reformen (so die Lockerungen des Kündigungsschutzes, die Aufweichung und letztlich völlige Aushöhlung des Schutzes von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt, die Erleichterung von Nacht- und Sonntagsarbeit und das in diesem Kontext de facto vollzogene, alles bisherige in den Schatten stellende Abgehen vom Normalarbeitstag, ferner die  Hartz IV „Reform“, aber auch die Unternehmenssteuer-„Reform“ und die Erleichterung von feindlichen Übernahmen), welche zu entscheidende Marksteinen der brutalen Neoliberalisierung wurden. Ebenso aber die Teil-Privatisierung der Bahn, die Privatisierung des Post- und Telekombereichs, sowie Privatisierungen von Stromversorgern, Wasserwerken und Unternehmen im Bereich des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Was immer mit Entlassungen und Schlechterstellung verbliebener Beschäftigter einherging.

(8) Die Rede von den hohen Wachstumsraten in den 50er und 60er Jahren oder von den „guten“ 60er Jahren darf uns nicht das Ausmaß der Armut in der damaligen Zeit vergessen machen. Den offiziellen Zahlen der US-Regierung zufolge entfielen auf die untersten 20 Prozent der US-Bevölkerung im Jahr 1946 exakt 5 Prozent aller Einkommen; 1967 waren es 5,4 Prozent. (Richard Parker, „The Myth of the Middle Class“, in: Marc Pilisuk / Phyllis Pilisuk, Hrsg.,  How we lost the war on poverty.   New Brunswick, NJ (Transactions Books) 1973, 2nd printing 1976, p.39.) Parker zufolge unterschätzen Wirtschaftsexperten der Regierung systematisch die Auswirkungen von (vor allem indirekten) Steuern und der Inflation auf die unteren Einkommensgruppen. Ein von Parker in seinem 1973 erschienenen Aufsatz angeführter Bericht des Southern Rural Research Projekt sprach von den „alarmierenden Bedingungen“ der „Armen und Hungrigen“ im  Süden der USA. (Ebenda, S. 38) Ein Bericht von Dr. Arnold Schaefer, auf den Parker hinweist, dokumentiert „Unterernährung“ [malnutrition]  in Texas und Louisiana; Parker verweist auf eine Schätzung, die von „15 million malnourished“ [15 Millionen Unterernährten] in den USA ausgeht. Diese Zahlen widerlegten den behaupteten „trickle down effect“. (Ebenda, S.39)

(9) Zu den Symptomen dieser irregeleiteten Hoffnung gehört der von den Medien und den US-amerikanischen Peace Corps Freiwilligen anscheinend lange für bare Münze genommene „Kampf gegen die Armut“, den Lyndon Johnsons „Alliance for Progress“ in Mittel- und Südamerika zu führen versprach.

(10) Die Sozialwissenschaften in den USA taten ein übriges, indem sie den Glauben vieler lohn- und gehaltsabhängiger Amerikaner an die Zugehörigkeit zur „middle class“ festigten und  die Zugehörigkeit zu einer „Klasse“ oder „Schicht“  über das Selbstbild (auto-image, Selbstverortung) der Betreffenden, ihr Einkommen, ihre Konsumgewohnheiten und ihren sogenannten Status in der community (also das hetero-image) zu definieren versuchten.

(11) Die beträchtlichen Stundenlöhne, welche die UAW in den 60er und 70er Jahren in ihren Verträgen mit GM und Ford aushandelte, sind in guter Erinnerung, ebenso weitere benefits, wie die Einzahlungen der Unternehmen in die Pensionsfonds. Auch die Stahlarbeitergewerkschaft erzielte beachtenswerte Abschlüsse. Und die pro-Nixon-Haltung vieler New Yorker „hard hats“, die auf den Wolkenkratzer-Baustellen gutes Geld zu verdienen meinten und für liberale, gegen den Krieg in Vietnam demonstrierende Mitbürger in der Regel wenig Sympathie empfanden, ist nicht vergessen. Die reale Verbesserung des Lebensstandards, die – bei aller Gefährdung für Leib und Leben im beruflichen Alltag von Stahl- und Bauarbeitern – sich in den Köpfen dieser Menschen spiegelte, wirkte ohne Zweifel systemstabilisierend. Die amerikanische Linke, die zwischen 1928 und 1948 in der Arbeiterschaft nicht ohne Rückhalt gewesen war, was wir auch an den Liedern von engagierten folk singers wie Woody Guthrie und Pete Seegers, an der dokumentarischen Photographie z.B. eines Walker Evans, am damals eine Blütezeit erlebenden „Muralismus“, also den soziale Missstände thematisierenden öffentlichen Wandgemälden bildender Künstler, aber auch an Romanen wie The Grapes of Wrath und selbst noch an jenem Film, der auf dem genannten Roman basiert, ablesen können, verlor in der um 1948/1950 einsetzenden  Phase relativ ungestörter kapitalistischer Expansion enorm an Rückhalt. Führende Gewerkschafter wurden eingekauft, oder wie Hoffa, der Teamster Boss, in die Enge getrieben, indem man ihnen Mafia-Kontakte unterstellte. Herbert Marcuses Skepsis, was die Mobilisierbarkeit einer als relativ saturiert erscheinenden, sich der middle class zugehörig fühlenden US-amerikanischen Industriearbeiterschaft für Projekte einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung angeht, ist vor diesem Hintergrund verständlich. Die Gegenwart bestimmte den Eindruck; das Wachstumspotential und die Verteilungsspielräume dieses „Spätkapitalismus“ schienen erheblich zu sein; der Glaube an radikale Veränderung der Haltung der „Unteren“ – wenn diese Spielräume wegbrechen würden, wie sie es inzwischen taten – war wenig ausgeprägt, weil sich damals kein Wegbrechen der Spielräume andeutete.

(12) Typisch war die Politik der Thatcher-Regierung in Grßbritannien, die 1979 an’s Ruder kam und sofort die direkten Steuern für die Reichen senkte, während sie die indirekten Steuern – Kaufkraft der Massen abschöpfend – erhöhte. Gleichzeitig wurde die prime rate heraufgesetzt, was wiederum die Konsumentenkredite und Hypothekenkredite verteuerte.

(13) Joachim Hirsch / Roland Roth, Das neue Gesicht des Kapitalismus. Vom Fordismus zum Post-Fordismus, Hamburg (VSA-Verlag) 1986, S.102f.

(14) 1973 war in Westdeutschland die Inflation auf 7% angestiegen. In Großbritannien, das auf Grund seiner starken wirtschaftlichen Verflechtung mit den USA besonders früh (nämlich schon in den 60er Jahren) und stark (in den 70 Jahren in der Spitze: 18%)  von der Inflation betroffen war, verlor Labor vor allem infolge der stark zunehmenden Arbeitslosigkeit die Wahl und die 1979 an’s Ruder kommende Thatcher-Regierung leitete einen brachialen wirtschaftlichen Kurswechsel ein. Nigel Lawson beschrieb dessen Prinzipien wie folgt: „Freie Märkte, fiskalische [Haushalts-]Disziplin, strenge Kontrolle der öffentlichen Ausgaben, Steuersenkungen [für Unternehmen und die Wohlhabenden] [...] [und] Privatisierungen.“ [Nigel Lawson, The View from No.11: Memoirs of a Tory Radical, New York (Bantam Books) 1992, S.64].  Als Folge des sich an Friedman orientierenden monetaristischen wirtschaftspolitischen Kurses der Thatcher-Regierung wurde die Inflation in Großbritannien bis 1982 durch Massenentlassungen im Bergbau-Sektor und in der Industrie (zur Erhöhung der ‚Produktivität’ der verbliebenen, auf dieselbe veraltete Technologie angewiesenen Belegschaften), Lohnabbau, weiterhin andauernden Kaufkraftverlust der Arbeiterklasse und resultierende Stagnation der Nachfrage auf 8,6% gedrückt. Der wertmäßige Umfang der britischen Industrieprodukte schrumpfte zwischen 1978 und 1983 um knapp ein Drittel und das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit, das zur Wahlniederlage von Labour geführt hatte, blieb erhalten. 1984 belief sich die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien, die unter Thatcher weiter angestiegen war und 1982 mit 3 Millionen erstmals die in den 1930er Jahren erreichten Rekordzahlen übertraf, auf offiziell fast 3 ½  Millionen Menschen. Im Gegensatz zu den Blütejahren der Nachkriegsexpansion, mit ihren hohen Wachstumsraten und ihrer keynesianischen Wirtschaftspolitik, war jetzt das Wirtschaftswachstum sehr niedrig, 2,3% im Mittel im ersten Jahrzehnt unter Thatcher. Und das Wachstum der staatlichen Ausgaben, weit davon entfernt, Impulse zu geben, blieb noch dahinter zurück und belief sich im selben Zeitraum im Mittel auf lediglich 1,3% pro Jahr.

(15)  Die Forschung reagierte wie so oft mit Verspätung auf dieses Phänomen. Inzwischen gibt es eine Reihe von Untersuchungen dazu, z.B.: Annette Fuentes / Barbara Ehrenreich, Women in the global factory. Boston, Mass.  (South End Press) 1984  (2nd printing); Joseph Grunwald / Kenneth Flamm.   The Global Factory: foreign assembly in international trade Washington, D.C. (Brookings Institution) 1985; Rachael Kamel, The Global Factory:  analysis and action for a new economic era.   [Philadelphia]  (American Friends Service Committee)  1990. Spätere Studien betrachten in erster Linie die neuere Entwicklung, z.B. Frances Abrahamer Rothstein / Michael L. Blim (eds.),Anthropology and the global factory : studies of the new industrialization in the late twentieth century, 
New York (Bergin & Garvey) 1992; Miriam Ching Yoon LOUIE, Sweatshop warriors: 
immigrant women workers take on the global factory.
Cambridge, Mass.( South End Press )  2001; Pun Ngai [=Pan Yi], Made in China: women factory workers in a global workplace. Durham, NC [u.a.] : Duke University Press
Hong Kong : Hong Kong Univ. Press, 2005. Vom Verlag angekündigt ist: Peter J. Buckley (ed.), Globalization and the Global Factory. Cheltenham [u.a.] : (Edward Elgar)  2011.- Die Entwicklung hin zum outsourcing von Produktionsabläufen an subsidiaries und subcontractors oder einfach nur abhängige „Partner“ (Zulieferer) in Billiglohn-Ländern ging einher mit der zahlenmäßigen Zunahme und dem Bedeutungsgewinn von TNCs – also transnational tätigen Konzernen – auf dem Weltmarkt, die nicht nur die Produktion und die Belegschaften „internationalisierten“, sondern bald auch das Management und schließlich ihre Kapitalaufnahme. Joachim Hirsch und Roland Roth sprechen daher bereits Mitte der 80er Jahre von einer „Internationalisierung des Kapitals“ (Joachim Hirsch / Roland Roth, Das neue Gesicht des Kapitalismus. Vom Fordismus zum Post-Fordismus. Hamburg (VSA) 1986, S.143. 

(16)  Es war exakt die nach Rendite-Gesichtspunkten erfolgende Zerlegung des zuvor häufig noch an einem Produktionsstandort vorgenommenen Produktionsablaufs, z.B. der integrierten Herstellung von Fernsehgeräten bei Philips in Eindhoven (NL), die zu Überlegungen hinsichtlich der technischen und zeitlichen Koordination auf einander bezogener Teilabläufe, die nun kostengünstig an verschiedenen Standorten stattfinden sollten, Anlaß gab. Aus diesen Überlegungen heraus entstand das Konzept der „virtuellen Fabrik“. Im Extremfall konnte ein mit der Produktion z.B. von Fernsehgeräten, von Computern usw. befasstes Unternehmen in der sogenannten Ersten Welt zu einem reinen Handelskonzern mutieren, der lediglich aus der Firmenzentrale in der ersten Welt heraus auf einander bezogene Produktionsabläufe bei den verschiedenen „Partnern“ in Billiglohnländern koordinierte, überwachte, für die Logistik zuverlässige Unternehmen beauftragte und am eigenen Standort bestenfalls noch sein „label“ auf dem Produkt anbrachte. Zur „virtual factory“, siehe: Arnoud DeMeyer, Creating the Virtual Factory. Fontainebleau  (Institut Européen d’Administration des Affairs) 1992.  [European Institute of Business Administration: Working papers];  David M. Upton, Andrew McAfee, ”The Real Virtual Factory”, in:  . Harvard Business Review; Vol. 74, No. 4, July-Aug. 1996, pp. 123-133; Gary M. Bayliss, Design by Manufacturing an Interactive Virtual Factory
Bath (Univ. of Bath) 1997 (Ph.D. thesis ). An neueren Arbeiten kann man nennen: “Managing the Virtual Factory: Web-based Configuration, Scheduling and Monitoring”, in: Brian Stanford-Smith (ed.), E-Work and E-Commerce, Vol. 2, Amsterdam (IOS Press) 2001;  Helmut Bley (hrsg.), Progress in virtual manufacturing systems : proceedings ; June 03 - 05, 2003, Saarland University Saarbrücken, Germany / 36th CIRP International Seminar on Manufacturing Systems. Saarbrücken (Univ. des Saarlandes) 2003; Franz-Josef Schneider, “The ‘Virtual Factory’ at Opel”, in: Proceedings of the IFIP WG 5.7 Working Conference on Human Aspects in Production Managemen, edited by Gert Zülch; Sascha Stowasser; Harinder S. Jagdev; Volume 1. Aachen (Shaker) 2003; Susumu FUJI / Toshiya KAIHARA / Hiroshi MORITA, “A Distributed Virtual Factory in Agile Manufacturing Environment”, in:  David Bennett (ed.), Operations Management, II, Vol.5: International Operations, Networks and the Environmental Context. London (Sage) 2007, S.216-231 und  George L. Vairaktarakis /Jamshid C. Hosseini, „Forming Partnerships in A Virtual Factory“, in: Annals of Operations Research, Vol.161/ 2008.

(17)  Zur Stagflation siehe: Elmar Altvater (hrsg.), Inflation, Akkumulation, Krise.
Frankfurt a.M. (Europäische Verlags-Anstalt) 1976; was die Krisendynamik an sich angeht: Evgenij S. Varga, Die Krise des Kapitalismus und ihre politischen Folgen. Hrsg. und eingeleitet von Elmar Altvater. Frankfurt a. M. ( EVA) 2., unveränderte Aufl., 1974. – Von einer anderen theoretischen Warte betrachtet: Michael Bruno / Jeffrey D. Sachs, Economics of Worldwide Stagflation. Oxford : Blackwell, 1985 [und  Cambridge, Mass. : Harvard University Press, 1985 ]; Robert B. Barsky / Lutz Kilian,  A Monetary Explanation of the Great Stagflation of the 1970s.London (Centre for Economic Policy Research) 2000. (Discussion paper series / Centre for Economic Policy Research ; No. 2389 : International macroeconomics); Robert B. Barsky / Lutz Kilian,  Do We Really Know That Oil Caused the Great Stagflation. Cambridge, Mass. (National Bureau of Economic Research) 2001 (NBER working paper series ; 8389).

(18) Ab 1948 bis Mitte der 1950er Jahre erhielten westeuropäische Länder – vor allem im Kontext des Marshall-Plans – Kredite der US-Regierung in Höhe von rund 17 Mrd. US-Dollar, bei den damaligen Preisen und angesichts eines Umrechnungskurses, demzufolge der Dollar 4,20 DM  bzw. 260-270 französische Franc wert war, eine gigantische Summe.

(19) Auf den Zusammenhang zwischen Vietnamkrieg, Rüstungsproduktion in den USA und dem Anstieg der Inflation hat Paul Mattick hingewiesen. Siehe: Paul Mattick, Marx and Keynes :  the limits of the mixed economy. Boston ( P. Sargent )  [1969]. 

(20) In Großbritannien war die sozialdemokratische Laborregierung unfähig gewesen, mittels ihrer keynesianischen, im Sinne des deficit spending auf die Stimulierung von Investitionen setzenden Politik den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu bremsen. Die britische industrielle Basis, inclusive der Autoindustrie und des einst führenden Maschinenbaus, war veraltet und hatte an „Wettbewerbsfähigkeit“ auf dem Weltmarkt verloren, weil seit Jahrzehnten nur ganz unzureichend Investitionen in diesen Bereich getätigt und das Mehrprodukt der Tendenz nach nur abgeschöpft, mithin fast nichts davon in die Modernisierung der britischen Industrie reinvestiert worden war. Abgesehen von der  Ausnahmezeit des Zweiten Weltkriegs tendierte die dominante Investitionsstrategie des Kapitals schon lange weg vom Produktionssektor und hin zum Finanzsektor, der höhere Renditen versprach. Es war seit ca. 1890 vor allem die Konkurrenz der später als England industrialisierten großen Rivalen USA und Deutschland gewesen, welche frühere, auf  Grund des unbezweifelbar lange gegebenen technologischem Vorsprung sowie der damit verknüpften Patente und Betriebsgeheimnisse zumeist mögliche, gleichsam oligopolistische Extraprofite zunichte gemacht hatte und die Geldgeber der großen Industrie in diesem Land das Interesse verlieren ließ. 

(21) Das, was damalige Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen als Profitklemme diagnostizierten, war keinesfalls auf die seit 1973/74 unangenehm ansteigende und Ende der 70er Jahren in einigen Ländern wirklich schockierende Ausmaße erreichende Inflation zurückzuführen. Die Unternehmen machten z.T. „zu hohe“ Lohnabschlüsse der vorausgegangenen Jahre verantwortlich und die bürgerliche Presse sprach von einer „Lohn-Preis-Spirale.“ Tatsächlich hatte aber der Kampf um Marktanteile – vor allem, aber nicht nur unter den großen international operierenden Konzernen – einen technologischen Innovationswettlauf erzwungen. Die Produktivität (bezogen auf die von einem Arbeiter geleistete Stunde Arbeitszeit, letztlich bezogen auf den an diesen Arbeiter, der eine feste tariflich abgesicherte Stundenzahl ableistete, zu zahlenden Lohn) stieg auf Grund der Investitionen in neue Maschinen, in eine modernisierte, avanciertere Technologie fraglos an. Aber diese Erhöhung der Arbeitsproduktivität setzte ein schnelles Anwachsen des Kapitalinputs voraus. Da die Zahl der zu entlohnenden Arbeiter nicht steigen musste, um durch erheblichen zusätzlichen Kapitalaufwand erheblich mehr zu produzieren, stieg auch die Summe der an diese Arbeiter zu zahlenden Löhne nicht. Das Verhältnis von in Maschinen und in Löhne investiertem Kapital, die „organische Zusammensetzung des Kapitals“ änderte sich; der Anteil, der auf die „lebendige“, Mehrwert produzierende Arbeit entfiel, nahm ab auf Kosten des auf „tote“ (in den Maschinen, in der neuen Technologie) vergegenständlichte Arbeit. Während das Profitvolumen (der Gesamtumfang der im Fall der Veräußerung der Arbeitsresultate auf dem Markt realisierten Gewinne) weiter zunehmen konnte, sank daher mit der relativen Zunahme des für die Modernisierung des Maschinenparks aufgewendeten Kapitals die Profitrate (das Verhältnis von erzieltem Gewinn und Gesamtsumme des zu seiner Erzielung aufgewendeten Kapitals). – Zur Profitklemme, siehe auch: Andrew Glyn / Bob Sutcliffe, British capitalism, workers and the profits squeeze. Harmondsworth (Penguin Books) 1972 [die früheste fortschrittliche Darlegung des Anfang der 70er Jahre – noch vor dem Ölpreisanstieg, der nicht nur Antrieb einer inflationären Dynamik, sondern zunächst einmal Antwort auf den inflationären Verfall des realen Werts des US-Dollar war – zu verzeichnenden deutlichen Unterdruck-Geratens der durchschnittlichen Profitrate!]; John Weeks, „The Process of Accumulation and the Profit Squeeze Hypothesis”, in: Science & Society, a journal of Marxist thought and analysis (New York, NY: Guilford), Vol. 43, No.3 (1979), S.259-280; Howard J. Sherman, „Profit Squeeze in Marx, Keynes, Mitchell, and Kalecki”, in: Review of Radical Political Economics, Vol. 20, No.2 (1988),  S.94-99; Andrew Henley,  „Corporatism, Profit Squeeze and Investment”, in: Cambridge Journal of Economics, Vol. 15, No. 4 (1991);  Jonathan P. Goldstein, „The Empirical Relevance of the Cyclical Profit Squeeze: a reassertion“, in: Review of Radical Political Economics, Vol. 28, No.4 (1996),  S.55-92; Jonathan P. Goldstein, „The Empirical Relevance of the Cyclical Profit Squeeze: a reassertion“, in: Review of Radical Political Economics, Vol. 28, No.4 (1996),  S.55-92; auch: Elmar Altvater (hrsg.), Inflation, Akkumulation, Krise. Frankfurt a.M. (Europ. Verl.-Anstalt) 1976.

(22) Spätestens als die derzeitige Finanzkrise, die zugleich eine der sogenannten realen Wirtschaft ist, ab 2007 die Zahl der Arbeitslosen und die Zahl der Zwangsversteigerungen in die Höhe schnellen ließ, wurde der Umfang des  credit card debt als schwerwiegendes Problem entdeckt und die Praxis der Kreditkartengesellschaften relativ abrupt restriktiver. 

(23) Dem schon länger auf Abschaffung des Glass Steagall Act drängenden Finanzsektor in den USA hatte der Kongress bereits 1987 nachgegeben, indem der Congressional Research Service beauftragt wurde, einen Bericht über das Für und Wider eines solchen Schrittes vorzulegen. Mit 343 zu 86 Stimmen befürwortete das Repräsentantenhaus die Abschaffung, was auf die Zustimmung nicht nur der Republikaner, sondern des „zentristischen Flügels“ der Demokraten – der „Clintonites“ oder Clintonianer – schließen lässt. Im Senat kam das Gramm-Leach-Bliley Act genannte Gesetz mit 54 zu 44 Stimmen durch.

(24) Siehe: N.N., „Royaume-Uni“ , in : Le Monde, 14.7.2011, S.20 u.
 
 
 
 
 

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www.support-julian-assange.com
 

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www.forumsocialmundial.org
 

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